RUB Research School

SYLFF Master-PreDoc-Kolleg

Themenfelder

Auf dieser Seite finden Sie Themenfelder, auf die Sie sich mit dem Vorschlag einer Masterarbeit bewerben können. Bitte nutzen Sie dazu das Bewerbungsformular. Bei Rückfragen zum jeweiligen Themenfeld wenden Sie sich bitte an die angegebenen Professor*innen. Sollten Sie Fragen zum Verfahren oder dem Kolleg haben, wenden Sie sich gern per Mail an uns.


Linguistische Merkmale von Faktizität: Eine empirische Studie

Tatjana Scheffler, tatjana.scheffler@rub.de (Fakultät für Philologie, germanistisches Institut)

Digitale Forensische Linguistik, Germanistisches Institut, Fakultät für Philologie Sprache kann Fakten transportieren, sie kann aber auch genutzt werden, um politische Meinungen zu manipulieren, um auszuweichen, zu lügen oder zu täuschen. Die große gesellschaftliche Aufgabe, schädliche Des- und Misinformation in politischen Diskursen und sozialen Medien zu erkennen, fällt daher direkt in den Bereich der Linguistik: Sie gibt uns Methoden, um sprachliche Äußerungen zu analysieren und die Merkmale herauszuarbeiten, die faktenbasierte Argumentation von Diskursmanipulation unschädlichen Narrativen trennen können. Die Masterarbeit soll Merkmale von (Nicht-)Faktizität anhand eines existierenden, großen Korpus von geprüften Faktenchecks herausarbeiten. Hierzu sollen irreführende und echte Nachrichten im Hinblick darauf verglichen werden, ob sie faktenbasiert argumentieren, und wie sprachliche Strukturen dies kennzeichnen. Bei Interesse sollen außerdem multimodale Text-Bild-Inhalte mit einbezogen werden. Diese Inhalte haben einen großen Anteil an aktueller Online-Desinformation, sind aber bisher kaum linguistisch erforscht.


Linguistische Merkmale der (Nicht-)Faktizität multimodaler Inhalte

Tatjana Scheffler, tatjana.scheffler@rub.de (Fakultät für Philologie, germanistisches Institut)

Digitale Forensische Linguistik, Germanistisches Institut, Fakultät für Philologie Soziale Medien, aber auch klassische Nachrichtenkanäle, werden geflutet von Desinformation, Propaganda und manipulierenden Inhalten. Dies geschieht zunehmend in multimodaler Form, als Text-Bild-Kombinationen oder als Videos in Verbindung mit Captions. Aktuelle linguistische Forschung zeigt, dass auch mit visuellen Inhalten gelogen und getäuscht werden kann, aber über die linguistischen Merkmale der (Nicht-)Faktizität dieser Inhalte wurde bisher kaum geforscht – dies soll das Thema der Masterarbeit sein. 

Grundlage der Arbeit wird ein bestehendes, großes Korpus geprüfter Faktenchecks aus deutschen Online-Quellen. Zu beantwortende Fragen können sein, ob und wie textuelle und visuelle Inhalte sich ergänzen oder wiederholen, welche Formen der Nicht-Faktizität sich bei multimodalen Beiträgen unterscheiden lassen, und welche konkreten linguistischen Merkmale täuschender Sprache in den textuellen oder bildlichen Teilen zu finden sind.


Hannah Arendt und die Faktizität der Bildkünste oder vom Versuch, über Kunst Gemeinsinn zu stiften

Prof. Dr. Stephanie Marchal, stephanie.marchal@ruhr-uni-bochum.de (Fakultät für Geschichte, kunstgeschichtliches Institut)

Hannah Arendt ist die Denkerin des Faktischen. Besonders die Faktizität der bildenden Künste beschäftigt sie werke- und zeitenübergreifend – ohne dass sie eine systematische Kunstphilosophie vorgelegt hat. Mit ihrer materialbedingten Dauerhaftigkeit verbinden Artefakte Arendt zufolge auf eine ihnen eigene, unersetzliche Weise das Gestern mit dem Heute und sind Garanten für Traditionsbildung, Sozial- und Weltbeziehung. Arendt bringt die Faktizität der Künste gegen Weltentfremdung und Abstraktionen, die ins Post-Faktische und Ideologie abgleiten können, in Stellung. Einfache Objekte wie Tische regeln das physische Verhältnis der Menschen zueinander im Raum, Kunst das perspektivische Verhältnis der Menschen zueinander, die in Austausch und Abgleich über Weltsichten entlang einer ihnen (syn- wie diachron) gemeinsamen, faktischen Referenz treten. Dieses Potential ihrer materiell-sinnlichen verankerten Philosophie ist für die Bedeutung der Kunstinterpretation bislang zu wenig beachtet worden. Wie Arendts Überlegungen für die konkrete Befassung mit Kunstwerken produktiv gemacht werden können, ist eine zentrale Frage des hier vorgeschlagenen Themas.


Tatsachen und historisches Gedächtnis. Die Aufarbeitung des stalinistischen Terrors und die Rolle der historischen Faktizität für die Erinnerungskultur des postsowjetischen Russland

Prof. Dr. Nikolaj Plotnikov, nikolaj.plotnikov@rub.de (Fakultät für Philologie, Seminar für Slavistik & Lotman-Institut)

Wahrheiten über Fakten haben im öffentlichen Bereich eine besondere Stellung. Sie sind, so Hannah Arendt, verletzlicher als rationale Wahrheiten, und ihr Gegenteil ist nicht Irrtum oder abweichende Meinung, sondern bewusste Lüge. Gerade deshalb hat die Frage, wie historische Fak-ten in das kollektive Gedächtnis eingehen und dort gesichert werden, eine genuin politische Dimension.
Zu diesem Thema sollen MA-Arbeiten eingereicht werden, die fragen, unter welchen sozialen, kulturellen und politischen Bedingungen die Freilegung historischer Fakten des stalinistischen Terrors – durch Dokumentation, Archiverschließung und Zeugnisaufzeichnung – im postsowjetischen Russland eine Erinnerungskultur stiften konnte. Dabei sind Praktiken der Wissenspro-duktion ebenso von Interesse wie die gesellschaftlichen Träger dieser Arbeit – exemplarisch greifbar in der Geschichte des „Memorial“.
Ebenso willkommen sind Arbeiten, die der Gegenbewegung nachgehen: der Frage, was es bedeutet, wenn staatliche Macht historische Fakten gezielt verschleiert, umdeutet oder aus dem öffentlichen Raum tilgt. Eine einmal aus dem kollektiven Gedächtnis entfernte Tatsache ist unwieder-bringlich verloren – die Manipulation von Fakten betrifft daher nicht allein die Vergangenheit, sondern die Grundlagen kollektiver Orientierung in der Gegenwart. Die Auflösung von Memorial durch russische Behörden 2021/22 und die seither verschärfte staatliche Geschichtspolitik geben diesem Fragekomplex eine unmittelbare politische Dringlichkeit.


Fakten - Fehler - Forschung

Prof. Dr. Gerhard Lubich, gerhard.lubich[a]rub.de (Fakultät für Geschichtswissenschaften, historisches Institut)

Geschichtswissenschaft scheitert immer wieder an der selbst gestellten Aufgabe, vergangene Sachverhalte als „Fakten“ zu rekonstruieren. Zwei Instanzen des Deutungsprozesses können hierfür verantwortlich sein: Die „Quelle“ der historischen Informationen kann unzuverlässig, falsch informiert oder intentional gefärbt sein. Diesen Verzeichnungen begegnen Historiker mit „Quellenkritik“, d.h. mit inhaltlichen oder typologischen Vergleichen, Hilfswissenschaften etc. Hierin liegt die zweite Schwachstelle: Auch deutende Wissenschaftler sind anfällig für Fehldeutungen, zumal sie Quellen miss- oder nichtverstehen etc. Auch hieraus kann eine „falsche“ Sicht auf Vergangenes resultieren.
Die Trennung von Quellendeutung und Forschungsdiskurs erlaubt es, die Konsequenzen behaupteter Faktizität zu beobachten, einmal in Hinsicht auf historische Urteilsbildung auf Quellenebene, anderseits bei der Etablierung von Forschungsmeinungen. Diese methodisch wie institutionell reflektierende Betrachtung soll anhand bereits erkannter „Fehlurteile“, aber durch neue Beispiele verdeutlicht werden.


Fakten und Faktizität in koreanischen Debatten um Marginalisierung und Emanzipation

Prof. Dr. Marion Eggert, marion.eggert@rub.de (Fakultät für Ostasienwissenschaften)

Die Frage, ob und wie wird in gesellschaftlichen Debatten die Faktizität von Argumenten überprüft wird, eröffnet für die Koreanistik innovative Forschungsperspektiven. Schon in der Chosŏn-Zeit (1398-1910) war Korea Schauplatz lebhafter politischer und intellektueller Debatten, u.a. zum Mitspracherecht nicht direkt am politischen Prozess beteiligter bzw. unterprivilegierter Gruppen. Im heutigen Südkorea mit seiner hoch diversifizierten Zivilgesellschaft ist vor allem das Internet Austragungsort hitziger Debatten, die u.a. durch zunehmende Emanzipationsbestrebungen gesellschaftlich marginalisierter Gruppen ausgelöst werden. Prominent sind die Auseinandersetzungen um das Geschlechterverhältnis, aber auch andere Gruppen (z.B. Behinderte) melden sich zu Wort. Sowohl für die Chosŏn-Zeit als auch für die Gegenwart lassen sich für Debatten in diesem Themenbereich Fragen stellen wie: Welchen Stellenwert hat das Vorbringen von Fakten? Inwiefern wird im Rahmen der Debatte deren Faktizität in Frage gestellt, überprüft, plausibel gemacht? Gibt es Diskussionen um die Glaubhaftigkeit von Quellen, welche Kriterien werden dafür genannt?


Die Konstruktion und Konsequenzen von Faktizität

Prof. Dr. Estrid Sørensen, estrid.sorensen@rub.de (Fakultät für Sozialwissenschaft)

Der Forschungsbereich Science & Technology Studies hat durch viele Studien gezeigt, wie Fakten sozial und materiell produziert werden und somit alles anders als selbstverständlich, eindeutig und unumstritten sind (Beck et al 2012; Knorr-Cetina 1991). Erst wenn sich Kontroversen – seien es wissenschaftliche, politische oder gesellschaftliche – über einen Sachverhalt gelegt haben und er nicht mehr infrage gestellt wird, kann von einer Tatsache gesprochen werden (Bogusz & Sørensen 2019). Zudem können nur Tatsachen produziert werden, für die es Messgeräte, Sensoren und Kategorien gibt, um sie überhaupt fassen zu können, und wenn auch Medien vorhanden sind, die die Fakten-in-Spe zirkulieren können, um eben einen Konsens über ihre Faktizität zu erlangen (Sørensen 2012). Wir leben in einer Zeit, in der a) die Autorität der Wissenschaft und ihre Rolle, vorrangig im Namen der Faktizität sprechen zu können, weniger Anerkennung genießt, in der b) der Belang der Demokratie, Fakten durch Verhandlungen von Kontroversen zu erstellen, infrage gestellt wird und in der c) die Medien zur Zirkulation von Informationen zur Faktenbildung zunehmend von kommerziellen und politischen Interessen beeinflusst werden (Sørensen 2017). Als Beispiele gelten u.a. die umstrittene Faktizität über die Wirkungen von Impfungen in der Covid19 Pandemie, über den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee, über den Bedarf an Rechenzentren für KI usw. Eine zentrale Rolle für die veränderte Produktion von Faktizität spielen u.a. Soziale Medien, die für veränderte Zirkulation von Informationen zur Faktenbildung sorgen, sowie auch die sogenannte Künstliche Intelligenz, die die Phase der Kontroversenverhandlung in der Produktion von Fakten überspringt. Ich betreue sehr gerne Masterarbeiten, die sich in diesem Bereich theoretisch und/oder empirisch qualitativ Themen zu Fragen widmen, wie Fakten in der veränderten sozio-materiellen Konstellation produziert werden, sowie auch welche Konsequenzen dies für die Demokratie hat. Bei der konkreten Themenwahl unterstütze ich ebenfalls gerne. 

Beck, S., Niewöhner, J., & Sørensen, E. (2012). Science and Technology Studies: Eine sozialanthropologische Einführung [Science and Technology Studies: A social anthropological introduction]. Bielefeld, Germany: transcript.

Bogusz, T., & Sørensen, E. (2019). Mit Stefan Becks "Sachen, Tat-sachen und Tatsachen" und "The Problem of Expertise" denken. In: Berliner Blätter: Ethnographische und Ethnologische Beiträge, 80, pp. 137-152

Knorr-Cetina, Karin (1991): Fabrikation von Erkenntnis. Berlin, Germany: Suhrkamp Verlag.

Sørensen, E. (2012). Soziale Konstruktion von Technologie [Social construction of technology]. In: S. Beck, J. Niewöhner, & E. Sørensen (Eds.), Science and Technology Studies: Eine sozialanthropologische Einführung, pp. 123-144. Bielefeld, Germany: transcript.

Sørensen, E. (2017). The social order of facts vs. truths. In: EASST Review, 36(1), pp. 12-13.

Your contact:

Dr. Sarah Gemicioglu

Bewerbungsformular

Sie möchten sich mit einem Masterarbeitsthema für eines der Thenemfelder bewerben? Bitte nutzen Sie dieses Formular.