RUB Research School

Maren Schwieger, M.A.
Institut für Medienwissenschaft
Betreuer: Prof. Dr. Erich Hörl,
ehemals Professur für Medientechnik und Medienphilosophie, RUB;
jetzt Professur für Medienkultur, Leuphana Universität Lüneburg

Gebäude GA 1/146
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Tel.: +49 (0)234 32-22054
maren.schwieger@rub.de

HINTERGRUND
Maren Schwieger studierte Germanistik, Journalismus und Medienkultur in Karlsruhe und Weimar. 2011 schloss sie ihr Studium der Medienkultur an der Bauhaus-Universität Weimar mit der Masterarbeit „Kartoffelkäfer. Figurationen von Feindschaft“ ab. Seit November 2011 ist Maren Schwieger Stipendiatin im Evonik Mikrokolleg 'Reconsidering Industry'.

FORSCHUNGSVORHABEN
„On Beetles and Stones. Towards a Minor Ecology“ (AT)

Der derzeitige noch im Entstehen begriffene Ökologie-Diskurs, der u.a. Konzepte wie „Media Ecologies“ (Matthew Fuller), “Environmentality” (Brian Massumi), “Ecology without Nature” (Timothy Morton), “Political Ecology” (Jane Bennett) oder „Allgemeine Ökologie“ (Erich Hörl) umfasst, bezieht sich auf unsere Gegenwart, in der Mensch, Natur und Technik aufs engste miteinander verwoben sind und in permanentem Austausch miteinander stehen, kurz: auf „Sein und Denken unter der technologischen Bedingung eines kybernetischen Naturzustandes“ (Hörl). Doch es stellt sich die Frage, warum diese radikale, ja posthumane Wechselwirklichkeit mit dem Begriff „Ökologie“ beschrieben und diskutiert wird: Warum sollten wir „Ökologie“ anderen Schlüsselbegriffen wie z.B. „Netzwerk“ vorziehen? Und warum erlebt „Ökologie“ derzeit überhaupt eine solche Konjunktur – und damit ein Begriff, den ausgerechnet Ernst Haeckel bereits 1866 geprägt hat? Das Phd-Projekt untersucht ökologische Theorien, Geschichten und Methoden und fragt nach dem Potential von „Ökologie“; es geht von der Annahme aus, dass selbst im allerersten Sinn und Gebrauch Ökologie sich nie hat beschränken lassen auf die Emergenz von Interrelationalität zwischen Organismus und Umwelt in der Biologie und die Entstehung einer neuen Disziplin. Vielmehr stand von Beginn an die Differenz von Innen und Außen und damit die Legitimität von Grenzziehungen auf dem Spiel – die Unterscheidbarkeit zwischen Mensch und Tier, zwischen Organischem und Anorganischem, zwischen Leben und Tod – über die nicht zuletzt die Grenzen von Wissenschaft selbst verhandelt wurden und werden. In einer Re-Lektüre vermeintlicher Gründungstexte von Ökologie und Ethologie (insbes. Ernst Haeckel, Jakob von Uexküll, Konrad Lorenz) sowie in Bezug auf Lynn Margulis' Endosymbiogenesis- und Gaia-Theorie geht das Projekt konzeptuellen sowie instrumentellen Implikationen von Ökologie nach. Dabei unternimmt es ein Re-Setting, gleichsam eine Ökologie des Minoritären, das die heimlichen Protagonisten der vermeintlichen Gründungstexte der Ökologie ins Rampenlicht rückt: Moebius' Auster, Uexkülls' Erbsenkäfer, Haeckels Protisten – Schlüsselfiguren, die als „niedere Tiere“ in diesen Texten jedoch oftmals marginal erscheinen, doch keinesfalls zufällig. Vielmehr sind sie verknüpft mit Prozessen des Werdens, der Durchlässigkeit und der Dezentrierung; den Einschreibungen und dem Schreiben einer minoritären Ökologie, die auf die Frage zielt: Wer oder was ist in Zeiten einer generellen Ökologisierung (noch) als 'zoon politikon' adressierbar?

VORTRÄGE

  • 2014, Juni: SLSA europe Conference 'Life, in Theory' / Vercelli und Turin: “Scaling interrelations. On membranes, molecules and mind”
  • 2013, Nov.: Workshop 'Matrix und Milieu' / Universität Paderborn: “Membrane: Die Frage der Wechselwirklichkeit von Meaning, Mind und Molekülen“
  • 2013, Okt.: GfM-Konferenz 'Medien der Wissenschaften' / Leuphana Universität Lüneburg: “Für eine kleine Ökologie”
  • 2013, März: International Spring School 'What it means to be human in the 21st century Life Sciences' / Mercator Research Group 'Spaces of Anthropological Knowledge', Ruhr- Universität Bochum: “On Beetles and Stones. Towards a minor ecology”
  • 2013, Juni: Tagung 'Perspektiven auf Industrie in Deutschland' / Evonik Mikrokolleg, Ruhr-Universität Bochum: “Betriebsamkeit zwischen Fakt, Fiktion und Fetisch. Eine Ökologie industrieller Prozesse”
  • 2013, Jan.: International Symposium 'The Ecological Paradigm' / Ruhr-Universität Bochum: “Why Ecology? Which Ecology? Rereading Haeckel in Favour of a Minor Ecology”
  • 2011, Mai: Tagung 'Medien und Adiaphorie' / Kunstuniversität Linz: „Dämonische Unterscheidung“